Sehr geehrter Oberbürgermeister Schulze,
sehr geehrte Bürgermeister,
sehr geehrte Stadtratskollegen,
sehr geehrte Gäste,
unseren Bürgern in Chemnitz stehen ungewisse Zeiten bevor. Mitten im
Kulturhauptstadtjahr haben wir eine Haushaltssperre. Jetzt können nur
noch Gelder für städtische Pflicht-Aufgaben und unaufschiebbare
Vorhaben ausgegeben werden.
Dabei ist die Haushaltssperre als Reaktion auf die Abstimmung in der
Haushaltssitzung verhängt worden. Dieser Schritt war abzusehen, da Herr
Burghart bereits in seiner Rede während der Haushaltssitzung betont hat,
dass ein vollständig ausgeglichener Haushalt nicht vorgelegt werden
könne. Danach hätte auch die angestrebte Konsolidierung nicht einmal im
Ansatz ausgereicht. Doch zum bereits defizitären Doppelhaushalt kamen
nochmals über 10 Millionen Euro hinzu, die durch die mehr als 90
Fraktionsanträge zur Haushaltssatzung eingebracht wurden. Auch an dieser
Stelle hatte Herr Burghart auf die mögliche Haushaltssperre hingewiesen.
Warum sich nun manche Fraktionen als Reaktion auf die Haushaltssperre
künstlich echauffieren, wo dieser Umstand doch absehbar war, ist nicht
nachvollziehbar. Besonders wenn es sich noch um Stadträte handelt, die
lange politisch aktiv sind und mit diesen Vorgängen bereits vertraut sein
müssten.
Mit dem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst kommen auf den
Chemnitzer Haushalt 2025 noch zusätzliche Kosten in Höhe von sechs
Millionen Euro hinzu. Bis die Landesdirektion den Haushalt geprüft hat
und erste Prüfergebnisse vorliegen, kann bereits die erste Hälfte des Jahres
2025 vorüber sein. Die Leidtragenden sind die Einrichtungen und
Angebote von Verbänden und Vereinen, die von Fördermitteln der Stadt
abhängig sind und seit Jahresbeginn nur Abschlagszahlungen erhalten.
Viele Vereine halten sich jetzt gerade so noch über Wasser und es könnte
passieren, dass weitere soziale und kulturelle Angebote für die Chemnitzer
wegfallen. Völlig ungewiss bleibt auch, was noch an Weiteren
Kürzungsvorgaben seitens der Landesdirektion auf die Stadt zukommen
könnte.
Man wäre gut beraten gewesen, wenn man den Haushaltsplan bereits Ende
Januar entschieden hätte, statt noch die Bundestagswahlen abzuwarten.
Dann hätte man die finanzielle Hängepartie für die Einrichtungen und
Vereine verhindern können und das Jahr 2025 droht kein verlorenes Jahr
für Chemnitz zu werden. Aus dieser Haushaltsmisere werden wir so
schnell nicht wieder rauskommen. Wobei ich bereits in meinen ersten
Fraktionserklärungen darauf hingewiesen hatte, dass das grundlegende
finanzielle Problem der Stadt Chemnitz in der unzureichenden
Finanzierung zwischen Bund, Land und Kommune liegt und einer Reform
bedarf. Dieser Vorschlag wurde von den anderen Fraktionen anfangs
belächelt. Zur Haushaltssitzung schienen auch die anderen Fraktionen das
Problem erkannt zu haben - und selbst Herr Burghart ging in seiner Rede
darauf ein.
Auf Bundesebene setzt die zukünftige Regierung weiterhin andere
politische Schwerpunkte. Aufrüstung der Bundeswehr und Kürzungen im
Sozialbereich. Das ist und bleibt der falsche Weg, weshalb die BSW-Fraktion
die Chemnitzer dazu aufruft, sich am diesjährigen Ostermarsch zu
beteiligen. Die Kundgebung beginnt am Karfreitag um 10 Uhr auf dem
Neumarkt vor dem Rathaus.
Vielen Dank.
Jeannette Wilfer, Fraktionsvorsitzende
