Pressemitteilung Chemnitz, 06. Mai 2026
Zum aktuellen Stand der Theaterdebatte
Chemnitzer Grüne für Theaterneubau an Standort der Interimsspielstätte
Der lokalen Presse war zu entnehmen, daß sich Bündnis 90 – Die Grünen in Chemnitz, dazu entschlossen haben, den Neubau eines Theaters auf dem Gelände des Spinnbaus zu unterstützen. Wir freuen uns über diesen Entschluß. Auch bisher war die Haltung von Frau Lanfermann im Kulturausschuß, ebenso eine Debatte um die Zukunft der städtischen Theater, lösungsorientiert und transparent zu führen, stets zu unterstützen. Vielleicht ergibt sich auch dadurch noch eine Chance für ein zukunftsfähiges, attraktives und modernes Theater in unserer Stadt.
Gibt es eine Chance für die Theater Chemnitz?
Gerade noch hochgelobt nun auf dem Abstellgleis.
Der Zug der Kulturhauptstadt wurde hochgelobt, gefeiert und hat vielleicht einiges Positives für unsere Stadt bewegen können. Doch gerade ein Quartal abgefahren, ist zu erleben, wie provinziell erste Wagen auf das Abstellgleis geschoben werden. Die aktuell zu verfolgenden Debatten um unsere städtischen Theater jagen jedem Freund von Oper, Ballett, Puppenspiel, Symphonie und Schauspiel einen Schreck ein. Unmittelbar nach dem Ende des Kulturhauptstadtjahr entbrennt eine Diskussion, wie sie sich wohl kaum einer hätte vorstellen können.
Zunächst waren Stadtverwaltung, Bürgermeisterin für Kultur, der Baubürgermeister und der Generalintendant von den Kommunalpolitikern, bis auf wenige Ausnahmen, aufgefordert, eine Grundlage zu schaffen, damit es einen Vergleich geben kann zwischen der Idee eines angemessenen Schauspielhaus-Neubaus auf dem Gelände der aktuellen Ausweichspielstätte und dem Vorhaben der Sanierung des Hauses an der Zieschestraße. Nachdem alle Gremien diesem Auftrag in kurzer Zeit und hoher Qualität nachkamen, gab es eine Verschiebung der Grundsatzentscheidung nach der anderen. Dies stets begründet mit der Aussage, die Fraktionen des Rates hätten noch Klärungsbedarf und Fragen. Parallel laufen die Sparmaßnahmen in der Stadt und ihre Planung auf Hochtouren und betreffen auch die Kultur, auch die Theater GmbH ist angehalten, ein Konzept des Sparens zu entwickeln.
Auf einer Informationsveranstaltung, insbesondere für Damen und Herren des Rates, fünfzehn waren der Einladung gefolgt, schoß der Vertreter der SPD den „Theatervogel“, dem noch nicht mal richtig Flügel gewachsen waren, schon ab, mit dem Vorschlag, einfach ein Sprechtheater mit ins Opernhaus zu verfrachten. Heute will das keiner von der SPD so gesagt haben. Der Oberbürgermeister, der sich aus der Debatte bis dato öffentlich heraushielt, nimmt als Chef der Verwaltung diesen Vorschlag nun in die Liste der „Sonderinvestitionen“ des Bundes so auf, ohne Engagement für seinen Theaterbetrieb in seiner Gesamtheit, der vordem mit einem deutlich höheren Betrag bedacht werden sollte und eben eine Entscheidung zwischen altem und neuem Haus am Spinnereimaschinenbau vorsah.
Außer Spesen, viel Arbeit und hohen Einsatz der Freunde des Städtischen Theaters nichts gewesen? Die Idee des Neubaus, sah ja nicht nur die Herstellung einer modernen, attraktiven Spielstätte mit Entwicklungspotential zum Kulturquartier vor, sondern bot die Chance einer Zwischenspielstätte für die zu sanierende Oper und hätte auf lange Sicht Einsparungen gebracht, da sich auf dem Gelände Platz für alle notwendigen Objekte der Theater GmbH geboten hätten. Werkstätten, Verwaltung, Probebühnen, Direktion, Fundus und und und...geblieben wären zwei Spielstätten – das Opernhaus am historischen Platz in der Innenstadt und das neue Kulturquartier um das Schauspielhaus und Figurentheater.
Es mutet so an, zumindest aus dieser Betrachtung, als ob die Kulturhauptstadt nur eine große, teure Imagekampagne gewesen ist, deren Nachhaltigkeit binnen eines Quartals aufgebraucht ist. Wo es Mut und Ideenreichtum bräuchte, spiel man Provinztheater.
Kritiker gegen den Neubau haben stets Argumente vorgebracht, dabei jedoch den Kern des Anliegens stets unberücksichtigt gelassen – es geht um eine moderne zukunftsfähige Spielstätte für das Schauspiel, den Ostflügel und das Figurentheater und nicht um einen repräsentativen Bau dessen Gäste die Innenstadt beleben. Wenn die pure Existenz eines Theaters in der Innenstadt diese beleben würde, wäre das in Chemnitz mit dem Opernhaus doch jeden Spieltag zu sehen!
Aber die Interessenlagen scheinen zu verschieden in der Chemnitzer Kommunalpolitik. Die einen reden den dringenden Bau einer Sporthalle für Basketball das Wort, andere behaupten Kultur müsse sich selbst finanzieren können, sonst gehe das eben nicht oder ein unabhängiges Theater wird prinzipiell für verzichtbar gehalten. So entwickelt sich unsere Stadt nicht positiv weiter, sondern stagniert.
Es braucht mehr Geld für die Sanierung von Opernhaus und einem Theaterneubau, den die Chemnitzerinnen und Chemnitzer, die seit Jahrzehnten dem Haus die Treue halten und auch die Gäste die den Weg in unsere Stadt auf sich nehmen, um hiesige Inszenierungen zu besuchen. Vielleicht finden sich noch Stadträtinnen und Stadträte, die bereit sind, hier nochmal nachzusteuern.
Noch ein Gedanke zum Schluss: Während im ehemaligen Kaufhof-Gebäude und der Hartmannfabrik private Investoren Räume herrichten, die die Stadt bzw. die Kulturhauptstadt gGmbH nutzen können, ist dieses Vorgehen beim Theater noch nicht angedacht worden.
Enrico Hilbert und Dietmar Holz
Mitglieder im Kulturausschuß der Stadt Chemnitz
BSW-Fraktion Chemnitz
