Pressemitteilung Chemnitz, 14.04.2026
Öffentliche Fraktionssitzung der BSW-Fraktion zum geplanten „Innovationscampus“ in Rabenstein-Ost
Seit den 1990er Jahren ist laut Flächennutzungsplan ein Gewerbegebiet in Rabenstein an der Kalkstraße definiert, das im Jahr 2015 mit dem Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Gewerbegebiet Rabenstein-Ost“ Gestalt annehmen sollte. Es wurde aufgeschoben und im letzten Jahr mit der Planung zum „Innovationscampus Rabenstein“ wieder aufgenommen. Eine Petition dagegen erreichte fast 1.400 Unterschriften.
Bereits 2017 wehrten sich Anwohner mit einer Petition gegen das Gewerbegebiet und erhielten von der Stadtverwaltung die Zusage, in die weiteren Planungen eingebunden zu werden. Doch mit dem Aufstellungsbeschluss zum „Innovationscampus Rabenstein“ im letzten Jahr wurden die Petenten überrascht und reichten nun eine Petition ein, die für das geplante Areal eine Umwidmung in eine Grün- und Naherholungsfläche fordert. Der Stadtrat wird sich damit in seiner Sitzung am 22. April 2026 befassen.
Wie schon beim Schauspielhaus sah die BSW-Fraktion die Notwendigkeit, eine breitere öffentliche Debatte zu initiieren. Gekommen waren einige Bürger, Vertreter des Vereins „Unabhängige Bürgerinitiative Rabenstein“, die Initiatoren der Petition und eine Wirtschaftsvertreterin der Handwerkskammer Chemnitz.
Leider folgte der Bereich Wirtschaft der Stadtverwaltung der Einladung nicht. Weil gegenwärtig an einem öffentlichen Austausch der bisherigen Positionen der verschiedenen Beteiligten bzw. Betroffenen zur Sache keine Notwendigkeit gesehen wird, lehnten die Vertreter der Stadtverwaltung mit einer geradezu typisch formalen, nicht überzeugenden Antwort ab.
Es ging der BSW-Fraktion ja gerade darum, die bestehenden Positionen zu einer öffentlichen Debatte zusammenzubringen, um sie bekannt zu machen, und weitere Bürgerbeteiligung zu ermöglichen. Die BSW-Fraktion hatte sich in der Sache noch nicht festgelegt, sondern wollte das Für und Wider einholen. Das ist auch bedingt gelungen.
Wesentliche unbeantwortete Fragen der Diskussion sind nach wie vor:
Braucht Chemnitz ein neues Gewerbegebiet angesichts von 61,6 Hektar verfügbaren Gewerbegebiets in aktiven Gewerbeparks?
Während die Planungskosten noch überschaubar sind, stellt sich die Frage, kann sich die Stadt die Erschließungskosten angesichts der angespannten Haushaltslage in den nächsten Jahren überhaupt leisten?
Was ist mit den innerstädtisch unansehnlichen Brachflächen in privater Hand? Schließlich geht es bei Wirtschaftsentwicklung auch um Stadtentwicklung. Hat die Stadt ein Management für die Erfassung solcher Flächen und die Aufnahme von Gesprächen mit deren Eigentümern, um eventuelle wirtschaftliche Wieder-, Weiter- oder Neunutzungen auszuloten?
Ebenso sind die Sorgen um die bisher bestehende Kaltluftschleuse und Wasserspeicherung nicht wirklich ausgeräumt. Allerdings kann hierzu erst durch die spätere konkrete Bebauungsplanung Abhilfe geschaffen werden, wenn es bei der Planung des Gewerbegebiets bleibt.
Grundsätzlich gibt es keinen nachgewiesenen Bedarf oder etwa Interessenbekundungen größerer Unternehmen für einen solchen Gewerbe-Campus. Es handelt sich also um eine Investition in eine zukünftig erhoffte Wirtschaftsentwicklung für den Standort Chemnitz. Kann und sollte sich Chemnitz auf der Grundlage vager Chancen der Wirtschaftsansiedlung ein solches Projekt leisten? Zumal in der Stadtverwaltung keine Kenntnisse über die regionale Verteilung und Sättigung mit Gewerbegebieten besteht und auch kein Interesse daran, solch einen Überblick zu erlangen!
Leider ist die Petition selbst alternativlos formuliert und entspricht so nicht dem Stand der Debatte des Für und Wider. Die Stadtverwaltung empfiehlt, der Petition nicht zu folgen. Sollte dies so geschehen, bleibt viel in der späteren Planungsumsetzung zu tun, um die Interessen auszugleichen.
Die BSW-Fraktion wird dann diesen Prozess aufmerksam und in engem öffentlichen Bürgerkontakt begleiten.
