Pressemitteilung Chemnitz, 19.08.2025
Theater mit Tradition braucht Zukunft!
In der Chemnitzer Presse war in der vergangenen Woche zu lesen, dass nun alle
Interventionsflächen (Eingriffsflächen) der Kulturhauptstadt fertig gestellt seien. Tatsächlich
alle? Natürlich nicht, bleibt doch ein Ort weiter im Schattendasein: unser Schauspielhaus.
Dabei ist es ein prägender Ort für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die langjährige
und traditionsreiche Spielstätte im Park der Opfer des Faschismus. Die wiederentdeckte Ost-
Moderne des Gebäudes steht im Mittelpunkt der aktuellen Betrachtung. Kulturschaffende der
freien Szene nutzten den Rummel um das Objekt, um auf inakzeptable Missstände der
Finanzierung hinzuweisen.
Doch reicht dies aus, um den Ort als dauerhaften Standort für Theater in Chemnitz zu
begründen?
Nach umfangreichen Gesprächen, mit kultur- und theaterinteressierten Chemnitzerinnen und
Chemnitzern, dem Betriebsrat der Theater GmbH, dem technischen Leiter Herrn Ullrich, dem
Intendanten Herrn Dr. Dittrich, der Vorsitzenden des Theater-Fördervereins Frau Seitz, sowie
den Baubürgermeistern Herrn Kütter und Herrn Stötzer, und einem Informationsaustausch mit
Architekten, sind wir der Auffassung, dass die Zukunft des Schauspiels in Chemnitz sich auf
eine reiche Tradition von Spielstätten berufen kann, aber auch auf eine nicht an den Ort
gebundene Geschichte von Schauspielerinnen und Schauspielern, Ensemble und
Aufführungspraxis die dringlich einer sicheren örtlichen und finanziellen Zukunft bedarf.
Ein Grundsatzbeschluss des Stadtrates ist überfällig.
Die grundsätzliche Ausrichtung und Gestaltung müssen festgelegt werden, damit Theater sich
entwickeln und engagiert fortgeführt werden kann. Der motivierte Einsatz der
Theaterschaffenden in der Übergangsspielstätte im Spinnereimaschinenbau und die sehr gute
Besucherresonanz dort haben uns davon überzeugt, dass die Chemnitzerinnen und
Chemnitzer sich auch in der Zukunft darauf verlassen können, Theater in hoher Qualität und
mit breitem Angebot erleben zu können, unabhängig vom etwaigen Standort.
Wer ein Theater in Chemnitz möchte, kann sich nicht an einem Ort festhalten, dessen
Sanierung als Spielstätte mindestens unwirtschaftlich und vielleicht sogar unmöglich scheint.
Mit den Plänen für einen Theaterneubau auf dem aktuellen Gelände der Übergangsspielstätte
an der Altchemnitzer Straße ist eine Idee entstanden, die eine langfristige Lösung beinhaltet,
die nicht nur an der Tradition festhält, sondern auch Entwicklungspotential für ein
Fraktion Bündnis Sahra Wagenknecht – Für Vernunft und Gerechtigkeit im Chemnitzer Stadtrat
Markt 1 | Zimmer 115 | 09111 Chemnitz | +49 371 488 1321 | BSW-Fraktion@Stadt-Chemnitz.de
Kulturquartier beschreibt und schlussendlich deutliche Effekte für einen wirtschaftlicheren
Zusammenschluss auch der Bühnengewerke und der Probe-bühnen beinhaltet.
Wir unterstützen als BSW-Fraktion im Chemnitzer Stadtrat diesen Vorschlag eines Neubaus
und hoffen, dass er eine breite Mehrheit im Rat, als auch unter der theaterbegeisterten
Bevölkerung findet.
Ohne diesen Beschluss scheint für uns eher die Gefahr, dass unsere Stadt auf lange Zeit keine
dauerhafte Spielstätte erhalten wird. Die Vision eines modernen Theaterkomplexes scheint
doch aktuell greifbarer zu sein, wenn diese Idee weiterentwickelt und bestätigt wird.
Natürlich gilt es, Fragen der Finanzierung zu klären. Natürlich muss dieser Vorschlag diskutiert
werden, unter den Verantwortlichen, Theaterschaffenden und mit der Bevölkerung. Natürlich
muss unter Gesichtspunkten der Tradition und des Denkmalschutzes der Umgang mit dem
alten Schauspielhaus geklärt werden. Ein umgenutzter Bau im Park der OdF, zentrumsnah,
sollte als Quartier aufgewertet und erhalten bleiben. Dabei sollte er Auskunft über seine
Geschichte geben, eine Informationsstele könnte integriert und die Anbindung an den Pfad
des Lichtes wiederhergestellt werden. Auch die Kunstwerke im Umfeld bleiben erhalten und
so bietet das Areal in der Entwicklung Potential für einen urbanen kleinen Stadtpark zwischen
Hospital-Straße und neuer Johannes-Vorstadt.
Der neue Standort wird natürlich die Tradition der Chemnitzer Theatergeschichte atmen, durch
die Schauspielerinnen, Schauspieler, Ensemble und die Besucher. Es gibt die Möglichkeit,
auch dort ein immer noch zentrumsnahes, neues, ebenso urbanes Kulturareal zu schaffen.
Das neue Haus oder der vorgesehene Park könnten nach Hartwig Albiro benannt und ein
kleiner „Walk of fame“ integriert werden. Auch die ehemalige Schauspieldirektorin Katja Paryla
und der verdiente Intendant Gerhard Meyer könnten so gewürdigt werden, denn frei nach
Fontane, geht es ohne ein gewisses Maß an Mumpitz eben nicht.
Für die BSW-Fraktion
Enrico Hilbert und Dietmar Holz
Mitglieder des Kulturausschusses
