Pressemitteilung Chemnitz, 21.11.2025
Jugendhilfe am Abgrund
Chemnitz hat nicht genug Geld, die Einnahmen werden sich kurzfristig nicht verbessern, die
Sozialausgaben werden weiter steigen.
Entsprechend den Haushaltszwängen ist eine Haushaltssperre für 2026 wieder im Gespräch.
In der Jugendhilfe ist jetzt schon ein Finanzierungsloch von 1,8 Millionen Euro. Wie soll das
weitergehen?
Verkürzte Angebotszeiten sind schon und wären eine Folge, wo jetzt schon zu wenig ist. 26
Projekte stehen vor dem Aus, andere kämen durch weitere Kürzungen in Existenzprobleme.
Nimmt dieses Szenario Gestalt an, brauchen wir von weitertragenden Impulsen der
Kulturhauptstadt 2025 für die Jungendhilfe nicht mehr zu reden!
Jugendhilfe ist ‘Investition in die Zukunft’, ist Prävention! Was hier eingerissen wird, kommt
später als Mehrkosten in den Pflichtleistungen für Sozial- und Familienhilfe und für
‘gestrandete’ Jugendliche.
Es gab Irritationen mit Anträgen und neuen Ausschreibungskriterien für Projekte. Dadurch sind
einige langjährig bewährte Träger aus formellen Gründen aus dem Verfahren gefallen. Können
wir uns das leisten, bewährte Projekte wieder von Null aufzubauen?!
Die Finanz-Daumenschrauben taten auch im Jugendamt schon Wirkung: Man ließ Anträge
formell scheitern und dachte zu wenig an die Folgen. Nun sucht man nach Möglichkeiten der
Nachbesserung, um die betroffenen Träger nicht ‘im Regen’ stehen zu lassen.
Das ‘verantwortungsvolle Miteinander’ von Amt und Trägern, das immer wieder gefordert und
manchmal gelobt wurde, jetzt, jetzt muss es sich bewähren! Nicht bloß legale Entscheidungen,
sondern gesellschaftlich legitimierte sind gefragt. Der Stadtjungendring und das Netzwerk für
Kultur- und Jugendarbeit fordern einen ‘Schonbereich’ bei der Haushaltssperre für
Jugendarbeit und Kultur. Sie haben recht. Aber das löst das Problem nicht.
Die Hauptverantwortungsträger in der Verwaltung, beim Oberbürgermeister und dem
Kämmerer angefangen bis hin ins Jungendamt müssen sich genauso die Frage gefallen
lassen, wie die Stadtratsfraktionen: Wie lange noch wollen wir die Folgen einer verfehlten
Bundespolitik in den Kommunen aushalten und ausbaden durch Zerfall des sozialen
Zusammenhalts und zivilisatorischen Rückschritt?
Wir brauchen keine ‘Sondervermögen’ für militaristische Aufrüstung, sondern für Investitionen
in Kultur, Bildung, Jugendhilfe und Wirtschaftsstrukturreformen als Zukunftssicherung.
Ralf Becker
Stadtrat BSW-Fraktion
