"Der Rat fragt nach " - Stadtbild
Die Stadtbilddebatte des Friedrich Merz ist wenig zielführend, polarisiert, schürt Ängste und beinhaltet keinen Lösungsansatz. Ob es nötig ist, in diesem Umfang dagegen zu protestieren und ebenso zu polarisieren sei dahingestellt, ein Austausch kommt so definitiv nicht zu Stande.
Klären sollten wir, was unser Stadtbild ausmachen soll, in was für einer Gemeinschaft wollen wir leben. Dazu gehört eine saubere Analyse. Für unsere Stadt habe ich das im Kommunalwahlkampf vorsichtig versucht. Wir sehen in unseren Straßen alle Facetten die die aktuelle Gesellschaftskonstelation mit sich bringt. Schrapelläden, Leerstand von Geschäften, verschwindende Ladenlokale und Gasthäuser in den Wohnvierteln, die zu Wohnungen umgebaut werden, Spielhallen in der Innenstadt. Reichtum und Armut sind sichtbar. Bettelnde, lungernde Menschen manchmal mit ziemlich großen Hunden, Leute die ihren Tag in der Stadt verbringen. Wir sehen Verunreinigung, Dreck, Hundehaufen, überfüllte Papierkörbe, zerstörte Rasenflächen und Grünanlagen, Schmierereien und Graffiti aller Orten, überall abgestellte Kraftfahrzeuge. All dies völlig unabhängig, ob die Menschen, die dafür verantwortlich sind in unserer Heimat aufgewachsen sind oder im Verlauf ihres Lebens nach Chemnitz kamen. Dabei sollten wir auch nicht die Umstände, unter denen wird leben vergessen, die auch einen Teil des Stadtbildes prägen. Dabei hat sich das Bild unserer Stadt gewandelt. Wir hören andere Sprachen, Menschen sehen verschieden aus.
Dabei tritt das positive des Bildes unserer Stadt in den Debatten oft in den Hintergrund, Parks und Gärten, gepflegte Häuser und Denkmale, talentierte Straßenmusiker, sich freundlich und hilfsbereit begegnende Bürger und abertausende interessierte zugewandte Besucher, die sich in der Kulturhauptstadt umsehen, uns und unsere Stadt gerade kennenlernen. Menschen im Gespräch auf Straßen und Plätzen in der Gastronomie, zum Kaffee nach dem Dienst oder einem Feierabendbier, einem Glas Wein, spazierende Familien mit Kindern, Rentnerinnen und Rentner.
Ja, wir brauchen diesen Austausch zu unserer Stadt und dem „Bild“ in dem wir leben und wirken wollen! Doch eben nicht so!
Wir sollten sie führen, möglichst breit und mit vielen Menschen der Gemeinschaft. Gespräche sind nötig mit den Verantwortlichen in der Politik, mit Engagierten im Ehrenamt in den Vereinen, den Stadtteilen, den Bürgerplattformen mit den Gemeindekoordinatoren. Dabei dürfen wir uns nicht scheuen, erst einmal anzusprechen was uns stört, was uns Unwohlsein bereitet, da gilt es zuzuhören, um dann gemeinsam Lösungen zu finden.
Im Übrigen sollte es ganz selbstverständlich sein, daß Kriminalität bekämpft wird und unsere Städte und Dörfer sichere Orte sind. Achtung ist geboten, daß solche Debatten, so angestoßen, nicht von anderen Themen ablenken, Sozialabbau, Aufrüstung, Kriegsertüchtigung, finanzielle Missäre unserer Kommunen und damit verbundene Folgen für das Stadtbild.
Enrico Hilbert
