Dieser Bürgermeister liefert!
- auch einen Vorschlag zum Omnibusbahnhof.
Der Baubürgermeister der Stadt Chemnitz hat versprochen, sein Amt kraftvoll und innovativ auszufüllen – und er liefert. Ob Schauspielhaus, ob Busbahnhof, Herr Kütter ist klar, souverän, transparent und verläßlich. Überrascht hat mich das jedoch nicht. Wer ihn erleben durfte in seiner vorherigen Tätigkeit, bei der er u. a. für die Sanierung von Schulgebäuden zuständig war, hatte die Möglichkeit, einen verläßlichen Partner aus der Verwaltung kennen zu lernen.
Nun sollte ihn die kommunalpolitische Vertretung der Bürgerschaft, möglichst ohne Rücksicht auf parteipolitische Interessen anderer Ebenen, aktiv unterstützen und Schützenhilfe geben, lösungsorientiert mit Mut und Selbstvertrauen. Ich werde dies weiterhin unbedingt tun. Auch die Bürgerinnen und Bürger selbst sind aufgefordert, sich aktiver noch in das Stadtgeschehen einzubringen, denn es ist unsere Stadt. Überlassen Sie diese nicht einflußreichen Lobbygruppen und den Parteien.
Die Idee, den Busbahnhof auf das Brachgelände an der Dresdner-Straße zu verlegen, ist aus meiner Sicht ein geeigneter Vorschlag, die Debatte um den Standort neu zu entfachen und endlich, eine Lösung zu finden. Der bisherige Busbahnhof (auch in Karl-Marx-Stadt gab es Innovation), einst einer der modernsten in Europa, ist baulich bereits leider so verändert, daß die historische Bedeutung kaum noch nennenswert ist, wäre da nicht das freitragende Flachdach, daß zu Recht unter Schutz steht und in zukünftigen Planungen einen festen Platz haben wird.
Mit einer Überlassung des Geländes an die Universität, könnte der wundervolle Bau der Universitätsbibliothek eine räumliche und funktionale Vollendung finden, die sicher diesen Bereich der Innenstadt mit Leben füllen könnte.
Der wunderbare Vorplatz am Hauptbahnhof, einst ein Prestigeobjekt, wenn ich mich recht erinnere mit Fördermitteln und nicht ganz billig realisiert, fristet ein trauriges Dasein. Das ist jedoch nicht seine Schuld, der Platz kann nix dafür, daß ihn keiner nutzt. Dabei ist er durchaus attraktiv. Ja, es gibt hin und wieder ein Stadtbildproblem, aber damit ist er in Chemnitz nicht allein. Daß er nicht genutzt wird, liegt an den Umständen. Als er entstanden ist, gab es noch etwas mehr Leben um den Bahnhof, Freßtheater mit herrlichem Spiegelsaal, Shalom, die Zimmermann-Villa…und Zugverbindung wahr sicher auch mehr, das Bahnhofsinnere belebt durch Geschäfte.
„Fürchtet Euch Nicht !“, so wird der Besucher des Platzes seit 2025 empfangen. Der Schriftzug ist Ausdruck unserer Zeit und sollte als Kunst im öffentlichen Raum unbedingt erhalten bleiben. Zum fürchten ist einem jedoch manchmal, auch auf diesem Platz. Es braucht also ein Konzept und echtes Engagement, unseren Bahnhofsvorplatz würdig zu nutzen, Potential hat er dafür. Ich stelle mir das Vorhandene Ensemble mit den historischen Bauten, dem Denkmal für die Märzgefallenen vor, ergänzt mit einem Wasserspiel, mehr „Grün“ – ausschließlich Pflanzen gemeint, gepflegt mit Sitzecken und Ruhezone, vielleicht eine Tischtennisplatte oder zwei, ein Imbiß und ein Café.
Der verlegte Omnibusbahnhof würde den Platz und die Situation nicht verbessern, im Gegenteil. Enorme Umbaukosten sind zu erwarten, Behinderungen des aktuellen Verkehrs von Straßenbahn und Stadtbussen. Und bei dem bisherigen Planungstalenten für den Öffentlichen Personennahverkehr und seiner Einrichtungen ist zu erwarten, daß auf dieser begrenzten Fläche nicht das entsteht, was vernünftig und praktisch für den Nutzer sein könnte. (Die Zentralhaltestelle ist und bleibt eine unzureichende Anlage, die für den Fahrgast mehr Ärgernisse bereit hält, als daß sie Freude macht.)
Ein freies Baufeld an der Dresdner-Straße scheint attraktiv für offene Planungen, kostengünstigeres Bauen und praktische, nutzerfreundliche, innovative Ideen.
Enrico Hilbert
Parteiloser Stadtrat in der BSW-Fraktion
