Sachsen braucht wieder Mut zu Innovation und Leistung
Chemnitzer Stadtrat Torsten Schmidt zum Parlamentarischen Abend der sächsischen
Kammern in Zwickau
Chemnitz/Zwickau, 26. August 2026 –
Als Stadtrat für das BSW Chemnitz habe ich am 24.
August am Parlamentarischen Abend der sächsischen Industrie- und Handelskammern und
Handwerkskammern im August-Horch-Museum in Zwickau teilgenommen. Vertreter der
Wirtschaft und der im Landtag vertretenen Parteien diskutierten dort über die wirtschaftliche
Zukunft Sachsens, Fachkräftesicherung, Bildung und den kommenden Doppelhaushalt
2027/2028.
Der historische Ort hätte dafür kaum passender sein können. Vor 116 Jahren rollte hier der
erste Audi vom Band. IHK-Präsident Max Jankowsky stellte deshalb zu Recht die Frage, ob
es Sachsen wieder gelingen kann, eine echte Innovationsgesellschaft zu werden.
Diese Frage betrifft auch Chemnitz unmittelbar.
Berufliche Bildung wieder stärker wertschätzen
Ich teile ausdrücklich die Position von Prof. Dr. Jörg Scheibe, der für das BSW auf dem
Podium saß: Nicht jeder junge Mensch muss studieren. Wir haben in den vergangenen Jahren
zu häufig den Eindruck vermittelt, Abitur und Studium seien der einzig richtige Bildungsweg.
Dabei ist eine gute duale Ausbildung ein entscheidender Erfolgsfaktor für unseren Mittelstand
und unsere industrielle Zukunft.
Wenn rund 9.000 Schulabgänger in Sachsen ohne Abschluss bleiben und etwa zehn Prozent
der 18- bis 25-Jährigen keinen Berufsabschluss haben, müssen wir uns fragen, ob unser
Bildungssystem noch die richtigen Antworten gibt. Jahrelanger Unterrichtsausfall, teilweise
ganzer Fächer, darf nicht einfach hingenommen werden.
Die Debatte über ein Schülerticket kann deshalb nicht die grundsätzlichen Probleme
überdecken. Wir müssen jungen Menschen wieder bessere Voraussetzungen für Ausbildung
und Beruf geben.
Doppelhaushalt muss Zukunft ermöglichen
Mit Blick auf den Doppelhaushalt 2027/2028 steht Sachsen vor einer schwierigen Aufgabe:
Einerseits steigen die laufenden Personalkosten, andererseits brauchen wir dringend
Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Digitalisierung und Innovation.
Ich begrüße deshalb ausdrücklich, dass das BSW bereit ist, eigene konkrete Vorschläge in die
Haushaltsberatungen einzubringen. Wenn die CDU ernsthaft an einer sachorientierten
Zusammenarbeit interessiert ist, sollte sie dieses Angebot annehmen.
Gleichzeitig müssen wir uns fragen, ob jede Stelle im öffentlichen Dienst, die durch
Verrentung frei wird, automatisch eins zu eins nachbesetzt werden muss. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bieten Möglichkeiten, Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten.
Auch gewachsene Strukturen wie das Beauftragtenwesen müssen aus meiner Sicht kritisch
auf ihren tatsächlichen Nutzen überprüft werden.
Investieren statt nur verwalten
Auch die Diskussion über Rücklagen und Zukunftsfonds hat aus meiner Sicht einen wichtigen
Punkt deutlich gemacht: Rücklagen allein schaffen noch keine Zukunft.
Ein verantwortungsvoll geführtes Unternehmen muss in schwierigen Zeiten abwägen, was es
zurücklegen kann und wo es gleichzeitig investieren muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Genau diese Balance brauchen wir auch beim Staat.
Sachsen muss deshalb seine finanziellen Möglichkeiten gezielt für Innovation,
Infrastruktur, Bildung und den Wissenstransfer in den Mittelstand einsetzen.
Chemnitz und Zwickau gemeinsam denken
Gerade als Chemnitzer Stadtrat sehe ich die Entwicklung in Zwickau mit besonderer
Aufmerksamkeit. Chemnitz und die gesamte Region sind eng mit Industrie, Maschinenbau
und Automobilwirtschaft verbunden.
Die aktuellen Herausforderungen am VW-Standort Zwickau betreffen deshalb nicht nur
Zwickau, sondern die gesamte Wirtschaftsregion. Der bevorstehende Besuch von VW-Chef
Oliver Blume unterstreicht die Bedeutung dieser Fragen.
Der parlamentarische Abend hat aus meiner Sicht gezeigt: Wirtschaft und Politik müssen
wieder stärker gemeinsam nach Lösungen suchen.
Sachsen braucht kein „Weiter so“. Wir brauchen wirtschaftspolitische Vernunft, Mut zu
notwendigen Investitionen und eine Bildungspolitik, die Leistung, berufliche Bildung und
praktisches Können wieder stärker wertschätzt.
Sachsen hat das Potenzial, wieder eine echte Innovationsgesellschaft zu werden. Dafür
müssen wir allerdings bereit sein, heute die richtigen Entscheidungen für morgen zu
treffen.
Torsten Schmidt
Stadtrat für das BSW Chemnitz
