Rat fragt nach
Überraschung im Advent 2025
Hell erleuchtet steht der Baum vor dem alten Rathaus. Der Duft von Glühwein, Krapfen, gebrannten Mandeln und Zuckerwatte liegt in der Luft. Musik von andächtig bis poppig laut, Hupen und Klingeln von Fahrgeschäften sind zu hören. Auf dem Rosenhof dreht sich schwindelerregend das historische Riesenrad, ein Besuchermuß für die, die sich trauen. Tatsächlich, wie alle Jahre strömen die Chemnitzerinnen und Chemnitzer mit Kind und Kegel, mit den Kolleginnen und Kollegen, Kumpels und Kumpelinen auf ihren Weihnachtsmarkt. Erste Reisebusse halten zwischen Stadthallenpark und Posthof, damit auch die Touristen einen Hauch von Adventszeit im Vorerzgebirge erleben können.
Die „Klosterweihnacht“ mit anderen Ständen, Bühnenprogramm, Lagerfeuer, Wannenbad unter freiem Himmel, leider schon nicht mehr mit Schiffsschaukeln, Guckkasten-Geschichten für Kleine und Große sowie dem Märchenschloß und Armbrustschießen, und erfreut sich trotzdem großer Beliebtheit. Doch nun kam die Überraschung im Advent und wie so oft offensichtlich keine gute, wie der Presse zuentnehmen ist.
Die Stadt hat die Fläche in der Inneren Klosterstraße geteilt und will sie für das Marktgeschehen getrennt ausschreiben, woraufhin die Organisatoren der „Mittelalter-Weihnacht“ sich nicht mehr bewerben werden und den Markt aufgeben. Das ist nicht nur bedauerlich und schade, sondern sicher ein Verlust für die städtische Weihnachtszeit.
Angeblich wollen einheimische Gastronomen die Fläche bespielen, da bin ich gespannt, wer hier so viel Einfluß geltend machen konnte, daß die Ausschreibung geändert wurde; skeptisch bin ich dazu, ob es annähernd so eine angenehme Präsentation werden wird, wie wir sie aktuell finden. Reine Glühwein und sonstige Alkohol verkaufende Stände sowie Buden mit Angeboten für den kleinen Appetit gibt es zur Genüge. Es wird ja wohl eher um ein schnelles Geschäft gehen, Mitnahmeeffekte von der Belebung während der „Klosterweihnacht“, scheinen nicht zu genügen.
Anderen Orts am Weihnachtsmarkt haben es heimische Gastronomen deutlich schwerer, dürfen nicht einmal einen Stehtisch vor das eigene Lokal stellen. Ein Grund mehr, mein Heißgetränk gerade da zu genießen und zu spekulieren, ob es wohl im kommenden Jahr doch eine Klosterweihnacht gibt. Der Weihnachtsmarkt in Weimar zum Beispiel bespielt fast alle Straßen und Gassen der Innenstadt, auch da haben wir noch Potenzial, nicht nur Weber- und Börnichsgasse sind bisher unbeachtet. Auch ist kaum traditionelles Handwerk zu finden, Stände an denen gezeigt wird, wie die Holz- und Klöppelkunst entstehen, ganz zu davon zu schweigen, daß die Tage der Erzgebirgischen Volkskunst in der Stadthalle aufgegeben wurden.
Vielleicht tut es also auch Not, etwas mehr zu hinterfragen und nachzufragen, wie sich die Stadtgesellschaft einen Weihnachtsmarkt vorstellt, und wir als Bürger sollten darauf Einfluß nehmen. Wer mag, schreibe einfach seine Wünsche und Vorstellungen an die Fraktion des BSW im Rathaus Chemnitz.
Enrico Hilbert
Stadtrat
