Rat fragt nach zur Schließung des Cafés „Julius im Schocken“ Chemnitz, 31.07.2026
Eine weitere Posse in der Provinz und Kulturhauptstadt!
In den letzten Tagen überschlugen sich die Ereignisse, deren Folge die Schließung des Cafés „Julius im Schocken“ sein könnte. Es ist das Ergebnis von Intoleranz, Drang nach Deutungshoheit und Einschränkung der Meinungsfreiheit.
Wie der Presse zu entnehmen war, sollte eine Verlängerung des Mietvertrages nur unter der Auflage eines Zugeständnisses möglich sein, welches wohl einzigartig in Chemnitz seitens des Vermieters ist. Zumindest neu für die Pächterin Frau Sommerfeld ist ein Passus auf politische Veranstaltungen zu verzichten.
Diese Forderung ist ungeheuerlich, die damit verbundenen Eingriffe in die unternehmerische Freiheit sowie die demokratische Meinungsfreiheit unglaublich. Das Erschreckendste zudem, dass der Entwurf des diktierenden Mietvertrages von einem kommunalen Unternehmen, einer städtischen Tochter, erstellt wurde.
Es stellen sich Fragen unabhängig vom Umgang mit Frau Sommerfeld, ihrer Veranstaltungsreihe „Tacheles“ und der Programmgestaltung im Café „Julius im Schocken“.
Was sind aus Sicht der Geschäftsleitung des Vermieters politische Veranstaltungen? Wer legt diese Definition fest? Auf welchen Grundlagen entstand ein solcher Passus im Vertrag? Welches sind die Gründe für die angedachten Änderungen? Wer bekam oder bekommt noch solche Auflagen?
Seit 2024 bis zum Ende des Kulturhauptstadtjahres 2025 wurden die politischen Veranstaltungen, das Engagement für Kunst und Kultur gerne gesehen, genutzt – seitens der Stadt Chemnitz und ihrer 100-prozentige Tochtergesellschaft der GGG. Inzwischen ist der Traum Kulturhauptstadt ausgeträumt und klamme Kassen diktieren die Politik, gerade im Kulturbereich.
Nun wird ohne Not, aus Gründen, die dem Stadtrat und wahrscheinlich auch dem Aufsichtsrat der GGG unbekannt sind, in einem Versuch selektiver politischer Zensur, ein weiterer Kulturort abgewickelt. Dabei ist das Café ein kulinarischer Ort, Treffpunkt für Chemnitzer und Gäste, sowie ein langersehntes Museumscafé mit Potential. Solche Orte kann man in Chemnitz suchen!
Abschließend bleibt in diesem konkreten Fall zu sagen, dass der Umgang mit unbequemen Standpunkten, politischen Kritiken und bürgerschaftlichen Engagement gegen die Ansichten Einzelner oder gar Organisationen nicht über den Hebel kommunaler Verträge auszutragen ist. Solange die Dispute öffentlich, transparent und ehrlich stattfinden, verbunden mit der Möglichkeit zur Teilnahme für alle, gibt es keinen Grund zur Unterbindung demokratischer politischer Veranstaltungen.
Statt Frau Sommerfeld zu bekämpfen, sollte sie sich für ihr Engagement ins Goldene Buch der Stadt eintragen dürfen!
Enrico Hilbert
Parteiloser Stadtrat in der BSW-Fraktion
P.S. Vielleicht geht es in dieser Provinzposse auch gar nicht um die ausgeführten und verlautbarten Gründe, sondern einfach nur um ein begehrtes Grundstück in der Innenstadt?
