Aus der Stadtverordnetenversammlung – Kindergärten und Kindergrippen

 

Wenn man als Bürger der Stadt neben dem Amtsblatt auch die Presse verfolgt, könnte man manches Mal immer noch meinen, die Entscheidungen im Rat der Stadt fallen einmütig. Doch der große Konsens ist öfter Ausnahme, kleinste gemeinsame Nenner erstrebenswert.

Die Kürzungen und Einsparungen im Bereich der Kindergrippen und Kindergärten waren ein knapper Mehrheitsbeschluß. Unsere Fraktion hat konsequent gegen die Vorlage gestimmt. Andere Fraktionen machten ihre Zustimmung von Änderungsanträgen abhängig, die wir selbstverständlich mitgetragen haben.

Auch hier soll auf Ebene der Stadt, auf dem Rücken der Familien und somit auch der Mehrheit der Bevölkerung eine verfehlte Bundes- und Landespolitik ausgetragen werden. Christian Schweiger, der Kandidat des BSW zur Wahl für den Bundestag im letzten Februar, der vielen Chemnitzerinnen und Chemnitzern mittlerweile bekannt ist hat dazu einen Standpunkt. Gern gebe ich diesen an alle Interessierten weiter.

 

Enrico Hilbert

Parteiloser Stadtrat für die BSW Fraktion

 

Keine Rotstiftpolitik auf Kosten unserer Kinder

- Geburtenschwache Jahrgänge als Chance für die Intensivierung frühkindlicher Bildung und Förderung in Chemnitz nutzen

 

 

Der Rückgang der Zahl der Kleinkinder aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge wird aktuell von der Stadt Chemnitz als Grundlage für einen massiven Abbau der Kapazitäten bei der frühkindlichen Bildung und Förderung genutzt. Dies geschieht vor dem Hintergrund des wachsenden Förderbedarfs bei Kindern im Vorschulalter, der in Chemnitz bereits heute nicht ausreichend sichergestellt ist. Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung weist darauf hin, dass der Freistaat Sachsen bei der Personalausstattungsquote in Kitas 2024 bundesweites Schlusslicht war. In Sachsen erfüllten 2024 nur ein Prozent der Kitas die fachlichen Empfehlungen für eine Personalausstattungsquote, die „eine qualitativ hochwertige Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern“ sicherstellt[1]. Die Stadt Chemnitz liegt dabei mit einem Wert von 0,53 bei der mittleren Personalausstattungsquote in Kitas ohne Horte nur knapp über dem sächsischen Durchschnitt von 0,51. Bereits 2024 hatten 17 Prozent der Kita-Kinder in Chemnitz Migrationshintergrund und der durchschnittliche Anteil der Kinder mit Eingliederungshilfe pro KiTa lag bei drei Prozent[2]

 

Chemnitz liegt beim Anteil der Schulabbrecher an der Spitze im Freistaat. Damit verließ 2024 jeder siebte Jugendliche in Chemnitz die Schule, ohne einen Abschluss erreicht zu haben [3]. Dieser traurige Rekord ist vor allem auch darauf zurückzuführen, dass eine wachsende Zahl von Kindern beim Eintritt in die Grundschule deutliche Defizite bei der sprachlichen Entwicklung und beim Sozialverhalte haben und zudem zunehmend psychische Auffälligkeiten zeigen[4].

 

Das BSW setzt sich deshalb entschieden dafür ein, die aktuelle Situation dafür zu nutzen, den Personalschlüssel in Kitas und das Angebot bei der frühkindlichen Bildung und Förderung zu verbessern. Jetzt ist nicht die Zeit, den Rotstift an die Zukunftschancen der Kinder in Chemnitz anzusetzen. Wir wollen, dass alle Kinder in unserer Stadt die gleichen Startbedingungen auf ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben haben. Vor allem setzen wir uns dafür ein, dass die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und die Inklusion von Kindern mit Behinderungen nicht nur auf dem Papier von Bildungsplänen steht, sondern gesellschaftliche Realität wird. Das geht nur mit personell gut ausgestatteten Kitas, in denen unsere Kinder effektiv auf ihren individuellen Bildungsweg vorbereitet werden und wir uns um ihre psychische Gesundheit kümmern.  Das BSW steht dafür, dass in Chemnitz kein Kind mehr zurückgelassen wird.


 

[1] Bertelsmann Stiftung (2026) Die Personalausstattungsquote in KiTas. Ein Indikator zur Messung der Personalausstattung auf Einrichtungsebene, S. 52 https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/die-personalausstattungsquote-in-kitas

 

[2] Bertelsmann Stiftung (2026), S. 62 

 

[3] Freie Presse „Warum in Chemnitz jeder Siebte keinen Schulabschluss hat“ (Jonas Patzwaldt) , 18.04.2024, https://www.freiepresse.de/nachrichten/sachsen/warum-in-chemnitz-jeder-siebte-keinen-schulabschluss-hat-artikel13335709

 

[4] Dresden Neue Nachrichten, „Sprachlos zum Schulstart: Immer mehr sächsische Kinder können nicht richtig sprechen“ (Andreas Debski), 05.01.2026  (https://www.dnn.de/mitteldeutschland/alarmierende-ergebnisse-erstklaessler-in-sachsen-haben-immer-groessere-defizite-74EZ5YFJSBH2NCXJ7IOEAIMN2M.html; DAK Gesundheit, „Ängste werden chronisch: Immer mehr Kinder in Sachsen dauerhaft in Behandlung“, 30.01.2026, https://www.dak.de/presse/landesthemen/sachsen/kinder-und-jugendgesundheit/aengste-werden-chronisch-immer-mehr-kinder-in-sachsen-dauerhaft-in-behandlung_156012

 

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